Section Cyclisme

Einleitung

           Es ist wohl kaum anzunehmen dass Freiherr von Drais aus Sauerbron, als er 1816 (Patent 1818 angemeldet) das erste Laufrad, die sogenannte Draisine, den Ur-Urahn des heutigen Fahrrades schuf, ahnte, welch revolutionäres Fortbewegungsmittel er der Welt hiermit bescherte. Zwar behaupten die Franzosen dass nicht er es war der diese phantastische Entdeckung machte, sondern ein Franzose, und zwar ein gewisser “ Comte de Sivrac.” Dieser soll angeblich bereits im Jahre 1790  zwei Räder zwischen die Beine eines Holzpferdes ( andere Quellen geben an es sei ein Holzlöwe gewesen) befestigt haben um  sich damit, ähnlich wie bei der Draisine, durch Abstossen mit beiden Füssen vorwärts zu bewegen.. Wieder andere aber behaupten dass dieser Comte in Wirklichkeit gar kein Graf gewesen sei und auch der  Namen  Sivrac sei eine Erfindung. Desweiteren hätte er diesen Einfall nicht selbst gehabt sondern, das Ganze erst 20 Jahre später als angegeben aus England importiert. Wie dem auch sei, die Idee dieses angeblichen Grafen, sollte er wirklich der Urheber gewesen sein, war an und für sich gar nicht mal so neu, denn bereits Leonardo da Vinci hatte zu seiner Zeit ein ähnliches Fahrzeug entworfen und desssen Handhabung sogar schriftlich festgehalten. Was letztendlich alleine zählt, war dass gegen Ende des achzehnten Jahrhunderts, die Menschheit den Wunsch nach rascherer Fortbewegung unter Zuhilfenahme von technischen Mitteln verspürte und dass auch gezielt in diese Richtung  hingearbeitet wurde.

           Wenn Freiherr von Drais mit seiner Maschine auch nicht den gewünschten Erfolg auf dem europäischen Festland erzielte, so war dies jedoch in England nicht der Fall. Hier wurden nämlich ab 1829 die ersten Ganzmetall-Laufräder zu Hunderten in eigens hierfür eingerichteten Werkhallen gebaut.

           Man musste allerdings schon bis 1861 auf die erste Verbesserung  und gleichzeitig auch dem ersten konkreten Schritt in Richtung der heutigen Fahrräder warten. In diesem Jahr nämlich stellte der aus Bar-le-Duc stammende Henri Michaux der Weltöffentlichkeit sein sogenanntes Hochrad  vor. Dieses Vélocipède, wie es in der Fachsprache von da an hies, erlebte bei der Weltausstellung von 1867 einen wahren Triumphzug  und wurde allein in Frankreich von mehr als 100 Herstellern gebaut. Sogar eine allwöchentliche Zeitschrift, die “ Vélocipède Illustée “ war dieser revolutionären Neuentwicklung gewidmed.

           Man kann glaube ich auch mit Fug und Recht behaupten dass das Geburtsland des Radsports Frankreich war, denn zu dieser  Zeit fanden erste Rennen mit diesen sogenannten Hochrädern statt. ( eine Disziplin die auch heute noch weiterlebt ). Am 7 November, beim Start von Paris nach Rouen, konnte man dann endlich das Fahrrad sehen, das seine Grundform bis heute nur geringfügig verändert hat. (Voll)Gummireifen, Freilauf, Räder mit Metallspeichen, Kugellagerachsen und vor allem, der damals revolutionäre Antrieb mittels Metallkette aufs Hinterrad. Das moderne Fahrrad war geboren und wurde nun laufend, von Jahr zu Jahr weiter entwickelt und verbessert. Die wichtigste Verbesserung allerdings, steuerte im Jahre 1888 der schottische Veterinär und Ingenieur John Boyd Dunlop mit der Erfindung des Luftreifens bei.

           Doch das Fahrrad wurde nicht nur zu sportlichen Zwecken genutzt. Lange Zeit war es das einzige mechanische Fortbewegungsmittel überhaupt und es konnte sich sogar auch dann noch behaupteten  als gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts die ersten Automobile und Motorräder auf dem Markt angeboten wurden.

           Wieviele Briefträger haben hierzulande wohl seit damals ihre Post mit dem Fahrrad in die oftmals weit auseinanderliegenden Dörfer befördert? Ich erinnere mich noch sehr gut an “unseren” Bréif-Jacques, der in den Nachkriegsjahren seine Postkunden  im Syrtal von Oetringen aus, Sommers wie Winter per Fahrrad bediente. Man kann also ruhig behaupten dass die Post schon seit längerem eine “intime “ Verbindung zur “petite Reine”, wie die Franzosen das Fahrrad liebevoll nennen, hatte. Allerdings nahm die Benutzung des Rades mit zunehmender Motorisierung auch in diesem Dienstleistungsbereich rasch ab und es dürfte heute wohl kaum noch eine solche “Fahrradtournee “ bestehen.

           Trotzdem hat die Post den Kontakt zur “kleinen Königin” nicht ganz verloren. Wenn auch der heutige “ Bréif-Jacques “ oder besser gesagt “Bréif-Jeff” seine Post im Syrtal mit dem Auto ausfährt, so bedeutet das noch lange nicht dass er nicht dennoch in seiner Freizeit in den Fahrradsattel umsteigt und etliche tausend Kilometer im Jahr herunterstrampelt. Denn Jeff ist nämlich eine der Hauptstützen der Postfahrradmannschaft, die seit einigen Jahren als Sportliche Sektion der Amicale des PTT erfolgreich in der nationalen Radsportszene mitmischt.

Eine Idee wird Wirklichkeit